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Kennt ihr die wilden Hühner?

Sicher nur sehr sehr wenige und desshalb möchte ich mal erklären worum es in dieser Bücherreihe geht. 

Die wilden Hühner

Sprotte, Frieda, Melanie und Trude sind seit ihrem 9 Lebensjahr eine echte Bande mit dem Namen: Die wilden Hühner.Sprotte hatt sich den Namen ausgedacht. Durch dick und dünn sind die 4 schon gegangen dabei mochtren sie sich am Anfang nichtmal besonders. Die wilden Hühner sind aber nicht die einziege Bande, von der in dieser Büchertilogier die Rede ist. da gibt es noch vier Jungen die mit den Hühnern in die selbe Klasse gehen. Sie heißen fred, Willi, Steve und Torte, nennen sich die Pygmäen und haben den Hühnern schon eine Menge Ärger gemacht. ^Direkt nachdem die wilden ühner zu einer Mädchenbande wurden, als die sie heute bekannt sind (oder auch nicht ^^) , herrschte ein regelrechter Krieg zwischen den Banden. Auf die Rache kam der nächste Angriff, dann hatten sie sich wieder gerächt und so weiter uns so weiter. Bis schließlich die Pygmäen Sprotte ihren schlüßel für das Haus ihrer Oma gestohlen hatten im Glauben, das Haus beherberge einen Schatz. Und da Sporttes Oma in der Woche bei ihrer schwester war, wärend die Jungs ungehindert in das Haus rein gekömmen, hätten die Hühner ihnen nicht einen Strich durch die rechung gemacht. mit einem Obstbaumnetz fingen sie die Pygmäen wie Fische bevor sie das Haus betraten. An diesem Abend jedoch, legten die Hühner und die Pygmäen einen Friedensvertrag ab.

Die Wilden Hühner auf Klassenfahrt

Gleich zu Beginn der Klassenfahrt kündigten die Pygmäen an das der Friedensvertrag an fremden Orten nicht gültig sei und so ging die Streiche spielerei wieder los. Diesesmal jedoch, kam ein Mädchen zu den Hühnern dazu. Wilma hieß sie, und war mit ebensoviel Eifer dabei wie Sprotte. Doch was hatte es mit dem Heulen in der Nacht, dem Kratzen an der Tür oder den Nassen Spuren und Münzen im Sand auf sich? Spukte es hier etwa? Herr Staubmann, Männliche Begleitperson dieser Reise erzählte den Hühnern von einem Gespenst das schon länger auf der Insel sein Unwesen triebe. Doch nur wenige der Schüler glaubten daran. Die ygmäen wetteten mit den Hühnetn schließlich, das sie als erstes rauß fänden, was hinter der gespenstergeschichte stecke. Und tatsächlich überführten die Hühner aber zusammen mit den Pygmäen den ''Geist''...

Die wilden Hühner- Fuchsalarm

''Der Fuchs kommt Frieda'', so hieß es plötzlich am Telefon kaum 1 1/2 Jahre später. Doch was war los? Fuchsalarm hieß höchste Gefahr-Lebensgefahr. doch wer konnte denn in Lebensgefahr sein? Die Hühner! Sprottes Oma hatte vor ihre 15 Hennen die schon früher bei ihr in der Scheuene herrum gepickt hatten, zu schlachten. Aber wie konnten die wilden Hühner es verhindern? In einer sache waren sie sich einig. Die Tiere mussten gerettet werden, nur eine Unterkunft fehlte für die Hühner. Unerwartet traf  an einem Stürmischen und kühlen Nachmittag eine gute Na´chicht ein. da Trudes Eltern sich getrennt hatten, hatte Trude von ihrem Vater einen Wohnwaagen auf einem sehr großen Grundstück am Wald geschenkt bekommen. Dort würden die Hühner sicher sein und das tollste war, das die Mädchen nun auch ein echtes Bandenquartier hatten. Alleine konnten die Sprotte, Frieda, Melanie und trude die Hennen nicht retten also halfen ihnen unerhofft die Pygmäen. Zusammen gelang es ihnen, die Tiere zu retten. Bald wehte aber eine außerst schlechte Nachicht in den wohnwaagen der wilden Hühner welche für die Pygmäen ernsthafte Folgen hatte. der Wald in dem die Jungen ihr Baumhaus errichtet hatten, sollte abgeholzt werden. Willi rastete aus als er die Neuigkeit hörte und demolierte auf einem Scvhrottplatz einen Bagger. Daraufhin wollte er nicht mehr nach hause weil er angst davor hatte, was geaschehen würde, wenn sein Vater davon erfuhr.  Dieser schlägt Willi nämlich schon lange. er suchte Unterschlupf im Wohnwaagen der Hühner doch bald ging er dann doch, nach dem Frau Rose, die Leherin der Hühner mit dem Vater Willis gesprochen hatte, nach Hause zurück.  Jetzt wird auch klar das Willi mit Melanie zusammen ist denn sie drückt ihm kurz, bevor Willi nach hause geht einen Kuss auf die Wange.

Die wilden Hühner und das Glück der Erde

wiederum c.a 1 1/2 Jahre ist es her seit Willi die Woghnungstür seines Vaters durchschritten hatte. Sprottes Mutter hatte einen neuen Freund. Torben, den Sprotte nur den Klugscheißer nennt. Jedenfalls möchte Sprottes Mutter mit Torben alleine in den Urlaub fahren möchte. desshalb möchte sie das Sprotte auf einen reiterhof. Sprotte hasst pferde und denkt das dort nur Zicken herrumlaufen, also beschloßen die anderen Hühner mit ihr zu fahren.  Dort angekommen, liefen nur 8 oder 9 Jahre alte Kleinkinder herrum. Nur die Tochte von Moona (Sie leitet den Ponnyhof) Bess war in ihrem Alter. Maik ihr Bruder war 2 Jahre älter als Sprotte. Tatschlich verliebte sich Sprotte in ihn zund zu ihrem Unglück auch Frieda. Maik kam mit Frieda zusammen. Dabei hatte sich Sprotte den ersten Herzschmerz ihres Lebens eingefangen. Doch es gab andere Probleme. Lilli, Bob und Verena. Drei kleine Mädchen spielten den Hühner ständig Streiche und wieder bagan die altbekannte Rächerei. Nach einer verflixt fiesen rache der wilden Hühner beschloßen die wilden Hühner und die 'wilden Kücken' frieden zu haben.  Nach einer Zeit tauchten plötzlich die Pygmäen auf. Zwei Tage blieben sie. am letzten Abend machten sie schließlich ein Fest bei sich in der Hütte die sie als Unterkunft hatten, doch das lief nicht ganz so wie sie es gedacht hatten. Beim Abschied schließlich Küsste fred Sprotte ganz unerwartet und dann war er auch schon weg. Da wusste Sprotte das sie fred liebte. Maik konnte sie eh nie erreichen. Er musste jedoch auch bald weg und ab daan war Frieda untröstlich.

Hier findet ihr Leseproben aus dem Büchern der Wilden Hühner Teil 1 bis 6.  

Die Wilden Hühner

Die Wilden Hühner
 

Es war ein wunderbarer Tag. Warm und weich wie Hühnerfedern. Aber leider ein Montag. Und die riesige Uhr über dem Schuleingang zeigte schon Viertel nach acht, als Sprotte auf den Schulhof gerast kam.
"Mist!", sagte sie, bugsierte ihr Rad in den verrosteten Fahrradständer und zerrte die Schultasche vom Gepäckträger. Dann stürmte sie die Treppe rauf und rannte durch die menschenleere Pausenhalle.
Auf der Treppe raste sie fast in Herrn Mausmann, den Hausmeister, hinein.
"Hoppla!", sagte er und verschluckte sich an seinem Käsebrot.
"`tschuldigung!", murmelte Sprotte - und stürmte weiter. Noch zwei Flure entlang, dann stand sie japsend vor ihrer Klassentür. Mucksmäuschenstill war`s da drin. Wie immer bei Frau Rose. Sprotte schnappte nach Luft, klopfte und öffnete die Tür.
"____tschuldigung, Frau Rose", sagte sie, "ich musste noch die Hühner füttern."
Der dicke Steve sah sie erstaunt an. Die schöne Melanie hob die Augenbrauen und Fred, der blöde Kerl, schlug mit den Armen und krähte. Sehr witzig.
"Na, das ist ja mal eine originelle Ausrede", sagte Frau Rose, spitzte ihren rot bemalten Mund und machte ein Kreuz in ihr kleines Buch.
Mit düsterer Miene ging Sprotte zu ihrem Platz, streckte Fred die Zunge raus und setzte sich. Neben Frieda, ihre allerbeste Freundin.
"Du hast Stroh in den Haaren", raunte Frieda. "Wieso musstest du die Hühner füttern? Ist Oma Slättberg krank?"
Sprotte schüttelte den Kopf und gähnte. "Zu ihrer Schwester gefahren. Und ich muss fürs Füttern `ne Stunde früher aufstehen. Eine Stunde! Kannst du dir das vorstellen?" "Schluss mit dem Getuschel dahinten", rief Frau Rose und fing an rätselhafte Zahlen an die Tafel zu schreiben. Frieda und Sprotte senkten die Köpfe, bis sie sich fast die Nasen an ihren Büchern stießen.
"Aber das hat mich auf `ne Idee gebracht!", flüsterte Sprotte.
"Ah, ja?" Besorgt sah Frieda von ihrem Buch auf. Sprottes Ideen waren schlimmer als Windpocken. Und sie brütete ständig neue aus.
"Schick Melanie und Trude eine Nachricht", flüsterte sie Frieda zu. "Geheimtreffen in der nächsten Pause auf dem Klo."
Trude und die schöne Melanie saßen nebeneinander, drei Tische weiter vorn, und betrachteten gerade sehr angestrengt die Tafel.
"Oh nein!", stöhnte Frieda. "Du willst doch wohl nicht wieder mit diesem Bandenkram anfangen?"
"Schreib!", zischte Sprotte.
Frieda beherrschte die Banden-Geheimschrift perfekt. Was man von Sprotte nicht behaupten konnte - obwohl sie sie erfunden hatte. Kein Wunder, sie konnte sich nicht mal merken, ob man "Lehrer" mit "h" oder "ee" schreibt.
" So, bitte mal jemand an die Tafel!", sagte Frau Rose.
Frieda zog den Kopf ein. Sprotte guckte gebannt in ihr Mathebuch.
"Niemand freiwillig?"
"Welches Codewort?", flüsterte Frieda und riss ein Blatt aus ihrem Ringbuch.
Sprotte kritzelte etwas auf den Tisch.
Frieda verzog das Gesicht. "Was soll das denn sein?"
"Na, ein Huhn natürlich", zischte Sprotte ärgerlich. "Ist doch `n prima Codewort, oder? Beeil dich."
Frau Rose guckte schon wieder zu ihnen herüber.
"Fred meldet sich freiwillig!", sag
te Sprotte laut und wischte das verunglückte Huhn mit dem Daumen weg.
"Ha,ha." Fred rutschte tiefer in seinen Stuhl.
"Fertig", flüsterte Frieda, faltete die Nachricht sorgfältig zusammen und schob sie Sprotte hin.
"Charlotte, komm du bitte an die Tafel!", sagte Frau Rose.
"Oh nein. Bitte, das hat keinen Sinn", sagte Sprotte. "Wirklich nicht, Frau Rose."
"Charlotte, an die Tafel." Frau Rose hob die Augenbrauen. Das tat sie immer, wenn sie sich ärgerte.
Also stand Sprotte auf, nahm den Zettel in die Hand - und warf ihn der schönen Melanie im Vorbeigehen in den Schoß.
Aber hinter Frau Roses runder Brille verbargen sich Adleraugen. "Melanie, zeigst du mir bitte mal den Zettel, den du da gerade bekommen hast?", flötete sie. Und die schöne Melanie kriegte einen puterroten Kopf und brachte Sprottes Geheimbotschaft widerstandslos nach vorne.
"Neffert mmedfua knehcdä shcänol esuapet rowedoc nhuht", las Frau Rose vor. "Was soll das denn?"
"Das ist Sprottes blödsinnige Geheimschrift", verkündete Fred. Er grinste so breit, dass ihm fast die Ohren abfielen. Sprotte nahm ein Stück Kreide, kniff die Lippen zusammen und starrte die Tafel an.
"Nun, wenn das hier geheim ist", sagte Frau Rose, faltete Sprottes Nachricht wieder zusammen und drückte sie Melanie in die Hand, "dann soll es auch geheim bleiben. Charlotte, fang bitte an zu rechnen."
Der Rest der Stunde wurde für Sprotte ziemlich unangenehm. Aber auch Fred zerbrach sich gründlich den Kopf. Über Neffert mmedfua knehcdä und so weiter.

"Ein doofer Treffpunkt!", sagte Melanie. Zu dritt drängten sie sich in einer Klokabine. Frieda hatte es noch am besten getroffen, denn sie saß auf dem Klodeckel.
"Das ist der einzige Ort, wo Freds Bande uns nicht ausspionieren kann", sagte Sprotte. "Ausspionieren! Was gibt's denn da auszuspionieren?", fragte Melanie spöttisch und zupfte an ihren Locken herum. "Ich wette, die Jungs haben was Besseres zu tun."
"Ach ja?"
Jemand klopfte an die Tür und raunte: "Huhn, Huhuhn!"
Sprotte schloss die Tür auf und Trude drängte sich hinein. Nun wurde es erst richtig eng.
"Entschuldigung", sagte Trude verlegen. "Aber ich musste noch mal zum Klo. Richtig, meine ich." Sie wurde rot. "Was gibt's denn?".
"Sprotte hat eine Idee", sagte Frieda.
Melanie steckte sich einen Kaugummi zwischen die schneeweißen Zähne. "Na, wenn die so ist wie die letzte, dann gute Nacht!"
"Was willst du hier eigentlich, wenn dir unsere Bande so auf die Nerven geht?", fauchte Sprotte.
Melanie verdrehte die Augen. "Schon gut. Rück raus mit deiner Idee." Kichernd stieß sie Trude an. "Vielleicht will sie uns ja wieder so' nen echten Hexentrank kochen, von dem wir tagelang grün im Gesicht sind."
Sprottes Antwort war ein eisiger Blick.
"Oh Mann, können wir jetzt vielleicht endlich mal zur Sache kommen?", fragte Frieda, kletterte auf den Klodeckel und stieß das Fenster auf.
"Okay." Sprotte rieb sich die Nase. Das tat sie immer, wenn sie ärgerlich oder verlegen war. "Meine Oma ist für eine Woche zu ihrer steinalten Schwester gefahren und ich hüte das Haus und die Hühner und so. Na ja. Und da hab ich gedacht, dass das ein prima
Hauptquartier wäre - und wenn wir uns diese Woche öfter träfen - ja, also", sie sah auf ihre Füße, "dass wir dann vielleicht doch noch `ne richtige Bande würden."
"Find ich toll", sagte Trude mit einem Seitenblick auf Melanie. Eine Sache war für sie erst in Ordnung, wenn Melanie ihren Segen dazu gab. Aber die guckte leider gar nicht begeistert.
"Was heißt denn öfter?", fragte Melanie.
"Na, fast jeden Tag."
Frieda schüttelte den Kopf. "Ob ich so oft kann, weiß ich nicht. Ihr wisst doch, mein kleiner Bruder ..."
"Mann, dein kleiner Bruder", sagte Sprotte ärgerlich. "Auf den kann auch mal dein großer Bruder aufpassen."
"Du hast gut reden", murmelte Frieda. Sprotte hatte keine Geschwister. Ihre Mutter fuhr Taxi und war meistens nicht zu Hause. Und ihr Vater - na, der war nicht da und den erwähnte man auch besser nicht.
"Was sollen wir denn so oft miteinander anfangen?", fragte Melanie.
Draußen klingelte es zur nächsten Stunde.
"Na,was fängst du denn sonst so Aufregendes an?", fragte Sprotte ärgerlich. "Also, ich jedenfalls sitz zu Hause rum, wenn ich nicht gerade bei meiner Oma schufte. Frieda hat nichts Besseres zu tun, als dauernd auf ihren kleinen Bruder aufzupassen. Und Trude erlebt ja wohl auch nicht am laufenden Band die großen Abenteuer, oder?"
Trude lächelte verlegen und starrte auf die schmutzigen Kacheln vor ihren Füßen.
"Ich geh zum Ballett!", sagte Melanie schnippisch. "Und Gitarre hab ich auch."
"Das hört sich ja sehr abenteuerlich an", spottete Sprotte. "Das kannst du natürlich nicht mal `ne Woche ausfallen lassen."
"Klar geht das!" Melanie kniff wütend die Augen zusammen."Aber was dann?"
"Na, das werden wir sehen!", rief Sprotte. "Abenteuer kann man doch nicht planen wie Ballett oder so was. Die warten um die Ecke und - zack! Plötzlich sind sie da!"
Die drei anderen sahen sich an. Ihre Köpfe waren plötzlich voller Bilder von Schätzen, Rittern und Piraten. Sprotte hatte es geschafft.
Mit unsicherem Lächeln sah Trude Melanie an. "Ich würd's gern noch mal versuchen", sagte sie.
Melanie zuckte die Achseln. "Okay. Eine Woche. Dann sehen wir weiter."
Trude strahlte sie erleichtert an.
"Ich bin auch dabei", sagte Frieda. "Kann allerdings sein, dass ich meinen kleinen Bruder mal mitbringe."
"Also gut, dann." Sprotte holte tief Luft. "Dann treffen wir uns heute Nachmittag. So um drei. Einverstanden?"
"Meinetwegen", sagte Melanie. "Aber ich zieh nicht wieder dieses blöde blaue Banden-T-Shirt an, in dem wir damals immer rumgerannt sind. Da drin seh ich unmöglich aus."
"Irgendwas müssen wir aber gleich haben!", sagte Sprotte ärgerlich. "Und ich zieh garantiert kein Rüschenkleidchen an, damit du gut aussiehst."
"Kleidung als Erkennungszeichen ist doch langweilig", sagte Frieda. "Wie wär es mit 'ner Tätowierung oder so was?"
Entsetzt sah Trude sie an.
"War ja nur 'n Beispiel", sagte Frieda.
"Vielleicht fällt ja irgendeiner noch was ganz Tolles ein", sagte Sprotte. "Also, drei Uhr. Und vergesst das Codewort nicht."
"Huuuuhn!", sagte Melanie und verdrehte die Augen. "Aber kann mir mal jemand erklären, wieso wir das auf dem Klo besprechen mussten?"

Die Wilden Hühner auf Klassenfahrt

Die Wilden Hühner auf Klassenfahrt
 

»Hier rein!«, rief Sprotte und riss die Abteiltür auf.
»Schnell, beeilt euch.«
Sie warf ihre Reisetasche auf einen Sitz, die Jacke auf den nächsten und ließ sich selbst auf den Platz am Fenster plumpsen.
»Mann, hast du es wieder eilig!«, stöhnte Frieda. Mit ihrem voll gepackten Rucksack blieb sie fast in der Abteiltür stecken.
»Wo sind die andern?«, fragte Sprotte.
»Kommen gleich«, antwortete Frieda und bugsierte den Rucksack ins Gepäcknetz.
»Leg deine Jacke auf den leeren Sitz da«, sagte Sprotte.
»Und zieh den Vorhang zu. Dass hier nicht noch andere reinkommen.«
Draußen auf dem Gang schoben sich ein paar Jungs aus ihrer Klasse vorbei. Fred streckte Frieda die Zunge raus, Torte und Steve schielten um die Wette.
»Guck dir die Idioten an.« Frieda kicherte, schnitt ihre scheußlichste Grimasse und schielte zurück. Dann zog sie den Vorhang zu. Die Jungs klopften gegen die Scheibe und drängelten ins Nachbarabteil.
»Also«, Frieda ließ sich wieder auf ihren Sitz fallen. »Die Pygmäen sind nebenan. Bis auf Willi. Aber der kommt wohl noch.«
»Na, das kann ja lustig werden«, sagte Sprotte und legte die langen Beine auf den Sitz gegenüber.
Jemand schob die Abteiltür auf. Melanie, auch die Schöne Melanie genannt, steckte den Kopf durch den Vorhang. »Wie sieht's aus, ist hier noch Platz für zwei Wilde Hühner?«
»Hereinspaziert«, sagte Sprotte. »Ist Trude bei dir?«
»Klar.« Melanie schob eine riesige Reisetasche ins Abteil. »Morgen«, murmelte Trude verschlafen.
»Meine Güte.« Sprotte half Melanie ihre Riesentasche ins Gepäcknetz zu hieven. »Was hast du denn alles mitgenommen? Deinen ganzen Schminktisch oder was?«
»Haha!« Melanie setzte sich neben Frieda und strich sich die Locken aus dem Gesicht. »Klamotten natürlich. Am Meer weiß man nie, wie das Wetter wird.«
Sprotte zuckte die Achseln. »Hauptsache, du hast deine Kette dabei.«
»Na, was denkst du denn?« Melanie polierte mit einem Taschentuch ihre Lackschuhe. Um ihren Hals baumelte ein Kettchen mit einer Hühnerfeder. Genau wie bei den drei andern, nur dass deren Federn an Lederbändern hingen.
Die Feder um den Hals war das Bandenzeichen und nur ein echtes Wildes Huhn durfte sie tragen.
»Ich glaub, es geht los«, sagte Trude.
Mit einem Ruck setzte sich der Zug in Bewegung. Langsam fuhr er aus dem dunklen Bahnhof hinaus ins Sonnenlicht.
»Genau das richtige Wetter für unsere Inselreise, was?« Melanie zog eine Tüte Gummibärchen aus der Jacke und hielt sie den andern dreien hin. »Hier, auf eine tolle Klassenfahrt.«
Sprotte und Frieda bedienten sich, aber Trude schüttelte den Kopf. »Nee, danke, ich bin auf Diät.«
»Seit wann das denn?«, fragte Sprotte.
»Seit vorgestern.« Verlegen zupfte Trude an ihrem Pony herum. »Ein Pfund hab ich schon abgenommen. Jedenfalls fast.«
»Auf Diät bei einer Klassenfahrt?« Melanie kicherte. »Keine schlechte Idee. Bei dem Essen, das uns wahrscheinlich erwartet.«
»Stimmt.« Sprotte guckte aus dem Fenster und schrieb mit dem Finger ihren Namen auf die staubige Scheibe. Der Zug fuhr über eine Eisenbahnbrücke. Unter ihnen glitzerte der schm
utzige Fluss im Sonnenlicht. »Wisst ihr was, ich bin richtig aufgeregt.«
»Ach ja? Gestern wolltest du uns noch alle überreden krankzuspielen, damit wir zu Hause bleiben können«, sagte Frieda.
»Ja, gestern«, sagte Sprotte. »Gestern ist vorbei.«
Nebenan sangen die Pygmäen Fußballlieder.
»Vollkommen unbegabt«, stellte Melanie fest. »Was meint ihr, sollen wir auch mal was singen?«
Sprotte stöhnte. »O nein! Verschon uns bitte.«
»Melanie hat eine gute Stimme«, sagte Trude. »Sie singt sogar im Chor. Erster Sopran.« Trude war Melanies größter Fan. Sie himmelte sie an. Vierundzwanzig Stunden am Tag.
»Na, wunderbar!« Spöttisch verzog Sprotte das Gesicht. »Aber wenn sie hier singt, spring ich aus dem Fenster.«
Melanie machte gerade den Mund auf, um darauf etwas nicht sehr Freundliches zu erwidern, als es an der Abteiltür klopfte.
»Der Schaffner«, wisperte Trude. »Mein Gott, wo hab ich denn bloß meine Fahrkarte?«
Aber es war nur Torte, das kleinste und lauteste Bandenmitglied der Pygmäen.
»Hallo, ihr Federviecher!«, rief er. »Hier ist eine Nachricht für euch.«
Dann warf er Frieda einen zusammengerollten Zettel in den Schoß, machte einen Knicks und knallte die Tür wieder zu.
»Oh!« Melanie verdrehte die Augen. »Ich wette, das ist eine Liebesnachricht. Torte hat schon lange ein Auge auf Frieda geworfen.«
»Quatsch!«, murmelte Frieda, aber krebsrot wurde sie trotzdem.
»Er hat Melanie auch schon mal Liebesbriefe geschrieben«, flüsterte Trude mit Verschwörerstimme.
»Na, das ist aber schon 'ne Ewigkeit her«, sagte Sprotte.
»Los, Frieda, lies endlich vor.«
Widerstrebend rollte Frieda den Zettel auseinander. Die übrigen Hühner beugten sich neugierig vor.
»Kein Liebesbrief«, stellte Sprotte fest. »Das ist Freds Klaue.«
Fred war der Chef der Pygmäen.
»>Warnung an die Wilden Hüner<«, las Frieda vor. »O Mann, nicht mal >Hühner< schreibt der richtig. Warum nennen die sich nicht einfach >die Analphabeten»Was denn für &apos;ne Warnung?«, fragte Trude. Beunruhigt rückte sie ihre Brille zurecht.
»Moment«, Frieda strich den Zettel glatt, »das ist gar nicht so leicht zu entziffern. >Hiermit verkünden wir, die berüchtichten Pygmäen, das der Friedensvertrak mit den jämmerlichen Wilden Hünern an fremden Orten nicht gültig ist. Also nehmt euch in Acht, Hüner. Unterschrift: die Pygmäen.<«
Frieda hob den Kopf. »O nein, jetzt geht das wieder los.«
»Hab ich&apos;s mir doch gedacht!«, rief Sprotte. Sie klatschte in die Hände. »Wunderbar, das werden sie bereuen.«
»Aber auf dem Schiff gilt der Friedensvertrag doch noch, oder?«, fragte Trude. Schon bei dem Gedanken an die Fähre, die sie zur Insel bringen sollte, wurde sie leicht grün im Gesicht.
»Nicht, dass die mir die Kotztüten klauen. Ich werd nämlich bestimmt seekrank.«
Sprotte zuckte die Achseln. »Das ist Verhandlungssache, würde ich sagen. Ich werd das mit Fred klären.«
»So sehr schaukeln diese Fähren auch gar nicht«, sagte Frieda.
»Und außerdem ...«, Melanie kicherte, »außerdem ist das doch gar nicht schlecht für deine Diät.«
Darüber konnte Trude nur gequält lächeln.

Die Wilden Hühner - Fuchsalarm

Die Wilden Hühner - Fuchsalarm
 

Eine Weile blieb es totenstill im Tischtenniskeller. Keine wusste, was sie sagen sollte.
Fünfzehn Hühner besaß Sprottes Großmutter - fünf gescheckte, sechs braune, drei weiße und ein schwarzes. Sie hießen Emma, Isolde, Huberta, Lola und Kokoschka, Dolli, Klara, Dafne und Loretta, Ofelia, Dido, Salambo, Ronja, Leia und Isabella. Sprotte hatte sich die Namen ausgedacht und jedes Huhn mit ein paar Spritzern Regenwasser getauft. Sprottes Großmutter hielt nichts von Namen für Hühner. »Gefühlsduselei«, sagte sie. »Meinen Rosenkohlpflanzen geb ich ja auch keine Namen. Hühner schafft man sich zum Eierlegen an, nicht zum Freundschaftschließen. Das stört bloß beim Schlachten.«
Jetzt wollte sie die Hühner also schlachten. Alle. Ganz kalt wurde den fünf Mädchen bei dem Gedanken.
Sie besuchten Oma Slättbergs Hühner, so oft sie konnten. Allerdings ging das nur, wenn Sprottes Großmutter nicht zu Hause war. Oma Slättberg mochte keinen Besuch. Geplatzt wäre sie vor Ärger, wenn sie gewusst hätte, wie oft Sprottes Freundinnen sich in ihren Hühnerauslauf schlichen, um die weichen Federn ihrer Hennen zu streicheln.
»Sie mögen es so gern, wenn man sie unterm Schnabel krault!«, murmelte Trude. »Sie kneifen immer so süß die Augen dabei zu.« Dann fing sie an zu schluchzen.
Wilma gab ihr eins von ihren Taschentüchern. »Mensch, das ist allerdings ein Grund für Fuchsalarm«, murmelte sie.
»Drei Hennen hat sie seit letztem Sommer geschlachtet!«, rief Sprotte. »Und nie haben wir was unternommen! Weil wir nicht wussten, wie wir es verhindern sollten, oder weil ich's nicht rechtzeitig erfahren hab. Diesmal müssen wir einfach was tun! Wenn sie das schafft, wenn sie die Hühner umbringt und wir tun einfach gar nichts, dann, dann ...«, Sprotte schlug so fest auf die Tischtennisplatte, dass heißer Fliederbeersaft auf die Finger schwappte, »dann können wir uns auch nicht mehr die Wilden Hühner nennen, find ich. Dann sind wir gar nichts mehr, höchstens wilde Waschlappen oder so was.« Sie leckte sich den süßen Saft von den Fingern.
Frieda kaute hektisch auf ihrer Unterlippe.
»Aber warum?«, fragte Wilma mit kläglicher Stimme. »Warum will sie alle schlachten?«
»Sie sagt, sie legen nicht mehr genug Eier«, murmelte Sprotte. »Außerdem behauptet sie, dass die Hennen bis zum Frühling so zäh sind, dass sie nicht mal mehr Suppe aus ihnen kochen kann. Also will sie sie vorm Winter umbringen. Und im Frühling kauft sie sich dann neue. So machen es viele Bauern. Spart jede Menge Futter.«
»Und wenn wir ihr das Futter bezahlen?« Frieda war ganz weiß um die Nase. »Das Geld würden wir schon zusammenkriegen. Wir könnten in der Schule Salatreste sammeln ...«
Sprotte schüttelte den Kopf. »Hab ich ihr schon angeboten. Davon will sie nichts wissen.«
»Das kann sie nicht machen!« Trude nahm ihre beschlagene Brille ab und putzte mit zittrigen Fingern die Gläser blank.
»Und wie sie das kann!«, antwortete Sprotte bitter. »Sie hat sogar schon einen Termin für das Blutbad. Nächste Woche Mittwoch. Da kommt der fiese Feistkorn nach seinem Nachmittagskuchen rüber und hackt ihnen allen die Köpfe ab. Zw
ei Flaschen selbst gemachten Kirschlikör kriegt er dafür.«
Jetzt stiegen auch Wilma die Tränen in die Augen. Heftig prustete sie in ihr Taschentuch.
»Feistkorn? Meinst du das Ekelpaket von Nachbar, das dauernd über die Hecke schielt?«, fragte Frieda.
Sprotte nickte und streichelte die Feder, die an einem Band um ihren Hals baumelte. Jedes Wilde Huhn trug so ein Bandenzeichen.
»Ach, kommt!«, rief Melanie. »Guckt nicht, als wärt ihr schon auf einer Hühnerbeerdigung! Wir retten sie! Das ist doch wohl klar!«
»Ach, ja?« Trude kaute auf ihrer Unterlippe herum. »Wie denn?«
Früher hatte niemand Melanie so angehimmelt wie Trude. Aber seit der Scheidung ihrer Eltern war Trudes Begeisterung für so ziemlich alles und jeden abgekühlt. Auch die für Melanie.
»Sprotte hat bestimmt schon eine Idee«, schniefte Wilma hoffnungsvoll. »Oder?«
Sie alle wussten, dass Sprotte schneller Ideen ausbrütete, als andere Leute ihre Schuhe zubinden.
»Na ja«, Sprotte trank einen Schluck Fliederbeersaft. »Am Sonntag fährt O.S. zu ihrer Schwester, da ...«
»Wer ist O.S.?«, unterbrach Trude sie verwirrt.
»Oma Slättberg natürlich«, erklärte Melanie genervt. »Also manchmal bist du wirklich zu blöd.« Beschämt zog Trude den Kopf ein.
»Also ... O.S. fährt Sonntag zu ihrer Schwester«, fing Sprotte noch mal an, »um sich bei Kaffee und Kuchen mal wieder so richtig schön zu streiten. Da könnten wir uns in den Garten schleichen, die Hühner in Pappkartons stecken und sie wegbringen. Fragt sich bloß, wohin?«
Ausgerechnet in dem Moment sprang die Kellertür auf.
»He, Hühner!« Breit grinsend steckte Titus den Kopf herein. »Wir wollen Tischtennis spielen. Oder habt ihr die Pingpongbälle wieder alle ausgebrütet?«
»Verschwinde!«, fuhr Frieda ihn an. »Der Keller gehört uns noch eine halbe Stunde. Frag Mama.«
Hinter Titus tauchte sein bester Freund in der Tür auf. »Sind das die Mädels? Welche ist der heiße Feger, von dem du erzählt hast?«
»Die da!« Titus schnippte Melanie eine kleine Papierkugel in die Locken.
Melanie würdigte ihn keines Blickes, aber ein geschmeicheltes Lächeln konnte sie sich nicht verkneifen.
»Wie wär's, Wilma?«, wisperte Sprotte.
Wilma putzte sich die Nase, legte ihr Protokollbuch auf den Boden, stand auf und schlenderte auf die Jungen zu.
»Na, ihr Scherzkekse?«, sagte sie mit dem freundlichsten Lächeln der Welt. »Macht Spaß rumzunerven, was?« Dann zog sie blitzschnell ihre Wasserspistole aus dem Ärmel und spritzte jedem der beiden einen Strahl Seifenwasser ins Gesicht.
Schimpfend stolperten die Jungen zurück. Wilma aber warf sich wie ein wütender Terrier gegen die Kellertür. Im Nu standen Sprotte und Trude neben ihr und stemmten die Schultern gegen die Tür, während Titus und sein Freund auf der anderen Seite fluchend versuchten, ihre Riesenfüße in den Spalt zu zwängen. Aber als Melanie und Frieda den anderen Hühnern zu Hilfe kamen, hatten die Jungs keine Chance mehr. Titus konnte gerade noch die Finger wegziehen, bevor die Tür zuknallte.
»Tut mir Leid!«, japste Frieda und drehte schnell den Schlüssel im Schloss rum. »Ich vergess dauernd abzuschließen.«
Etwas außer Atem, aber sehr zufrieden mit sich se
tzten die Hühner sich wieder. Wilma hob ihr Protokollbuch vom Kellerboden auf und vermerkte den Überfall.
»Tja«, seufzte Sprotte, als sie es sich wieder auf der Tischtennisplatte bequem gemacht hatte. »Wo könnten wir die Hühner hinbringen? Falls wir es wirklich schaffen, sie meiner Oma zu klauen.«
»Damit wären wir wieder beim alten Thema.« Frieda stöhnte. »Unser Bandenquartier. Wir haben keins.«
»Die Pygmäen haben jetzt sogar einen Ofen in ihrem Baumhaus«, sagte Melanie.
»Na toll!« Sprotte warf ihr einen genervten Blick zu. »Frag doch mal, ob sie noch ein Mädchen als Maskottchen brauchen können.«
»Ach, kommt, hört auf!«, sagte Frieda ärgerlich. »Nicht das schon wieder. Das mit dem Quartier ist wirklich ein Problem. Hier können wir die Hühner jedenfalls nicht verstecken.«
»Und in Melanies Hinterhof ...?«, begann Wilma.
»Bist du verrückt?« Melanie schüttelte angeekelt eine Kellerassel von ihrem Schuh. »Mein Vater ist schon durchgedreht genug, seit er nicht mehr arbeitet und nur zu Hause rumhängt. Der würde ausrasten, wenn er auch noch auf dem Rasen in Hühnerkacke treten würde. Außerdem ...«, sie schabte mit dem Schuh auf dem Kellerboden rum, »außerdem ziehen wir vielleicht bald um, in eine kleinere Wohnung, zwei Häuser weiter. Da ist dann sowieso kein Garten.«
»Oh!«, murmelte Frieda.
Melanie zuckte nur die Achseln und strich sich die Haare aus dem Gesicht.
»Na ja, Sprottes Oma fährt erst Sonntag weg, bis dahin fällt uns schon noch was ein«, sagte Wilma.
»Hoffentlich.« Sprotte lauschte nach draußen, aber von Titus und seinem Freund war nichts zu hören. »Wann treffen wir uns wieder? Morgen?«
Melanie zog mit gerunzelter Stirn ihren Terminkalender raus. Sprotte seufzte. Frieda hatte auch so ein Ding, seit sie bei einer Gruppe mitarbeitete, deren Namen Sprotte dauernd vergaß und die irgendwas für Kinder in der Dritten Welt machte. Melanie behauptete, die tollen Jungs in der Gruppe seien der Grund für Friedas Begeisterung, aber seit Frieda ihr dafür eine runtergehauen hatte, hob sie nur noch viel sagend die Augenbrauen, wenn Frieda zu einem Treffen musste.
»Ich weiß, es ist Fuchsalarm«, sagte Trude kleinlaut, während Frieda und Melanie in ihren Kalendern blätterten. »Aber ich muss morgen um zwei meinen Cousin vom Bahnhof abholen. Meine Mutter arbeitet, vielleicht danach ...«
»Also, ich muss morgen zum Hautarzt«, stellte Melanie fest.
»Wegen dem einen Pickel?«, fragte Sprotte gereizt.
»Sie hat schon drei«, erklärte Trude.
»O Mann, drei Pickel!« Sprotte verdrehte spöttisch die Augen. »Entschuldige vielmals, da geht's natürlich auch um Leben und Tod.«
Melanie würdigte sie keines Blickes. »Den Termin übermorgen«, sagte sie schnippisch, »den könnte ich verschieben.«
»Wann hast du eigentlich mal keinen Termin?«, fuhr Sprotte sie an. »Soll ich den Hühnern sagen, dass sie ihre Köpfe abgehackt kriegen, weil du so viele Termine hast?«
»Du hast gut reden«, fauchte Melanie zurück. »Du hast fast jeden Tag sturmfreie Bude, weil deine Mutter Taxi fährt. Weißt du, was bei uns los ist, seit mein Vater keine Arbeit mehr hat? Melanie, soll ich deine Schularbeiten nachsehen? Melanie, hast du dein Zimmer au
fgeräumt? Melanie, was hast du denn da an? Melanie, wollen wir noch ein bisschen Mathe üben? Mathe ist wichtig. Das hält doch kein Huhn aus! Also nehm ich mir, so oft es geht, was vor, klar? Und auf deine dummen Kommentare kann ich verzichten.«
»Ich kann morgen auch nicht«, stellte Frieda fest, ohne die beiden anzusehen. »Zumindest nicht so früh. Ich hab Gruppentreffen. Aber übermorgen geht's.«
Sprotte zuckte nur die Achseln.
»Übermorgen ist Mittwoch, das reicht doch.« Wilma prustete in ihr Taschentuch und schrieb >nächstes Bandentreffen Mittwoch Nachmittag< ins Hühnerfeder-Ringbuch. »Bis dahin haben wir auch noch ein bisschen Zeit, drüber nachzudenken, wo wir die Hühner hinbringen.«
»Okay, Mittwoch«, Sprotte rutschte von der Tischtennisplatte. »Wieder hier im Keller?«
Frieda nickte. »Kein Problem.«
»Aber bitte nicht wieder mit diesem Fledermaussaft«, sagte Melanie und zog ihre Lederjacke an.
»Das war Fliederbeersaft, und der soll sehr gut gegen Pickel sein«, meinte Wilma, während sie das Protokollbuch in ihren Rucksack schob, ganz vorsichtig, damit die aufgeklebten Federn nicht abgingen.
»Ehrlich?« Misstrauisch guckte Melanie sie an.
»Nee!«, sagte Wilma, zog grinsend eine kleine Flasche aus der Tasche und lud ihre Wasserpistole nach. Melanie stieß ihr ärgerlich den Ellbogen in die Seite.
Als Frieda aufschloss, spähte Sprotte erst mal vorsichtig durch die Tür, aber Titus und sein langer Freund lungerten nicht in dem kalten Flur herum. Erst auf der Kellertreppe kamen sie den Wilden Hühnern entgegen.
»Seid bloß froh, dass wir uns nicht an kleinen Mädchen vergreifen!«, knurrte Titus, während sie sich aneinander vorbeidrängten.
»Seid froh, dass wir uns nicht an langen Jungs vergreifen«, knurrte Sprotte zurück. »Bei eurer Größe funktioniert die Blutzufuhr zum Gehirn nicht mehr, wusstet ihr das?«
Titus' Freund strich sich das nasse Haar aus der Stirn und schnitt ihr eine Grimasse. Hastig drängten sich Trude und Sprotte an ihm vorbei. Melanie konnte es sich natürlich nicht verkneifen, den Jungs noch ein Lächeln zu schenken und die Treppe raufzuschweben, als hätte sie ihren großen Auftritt.
Titus hielt Frieda am Arm fest. »Worum ging's denn heute, Schwesterchen?«, fragte er. »Komm, wir wollen was zu lachen haben. Die Mädels sind nämlich eine Bande«, sagte er über die Schulter zu seinem Freund. »Du kommst nie drauf, wie sie sich nennen. Die Wilden Hühner.«
»Und ihr?« Wilma hatte schon wieder ihre Hand im Ärmel. »Wie nennt ihr euch? Die Pingpong-Asseln?«
»Du solltest dir für deinen Wasserwerfer einen Waffenschein besorgen!«, raunte Titus ihr zu.
»Spielt schön!«, flüsterte Wilma zurück. »Tischtennis spielen ist genau das Richtige für kleine Jungs. Wir haben für so was leider keine Zeit.«
»Schluss jetzt«, sagte Frieda und zog Wilma mit sich die Treppe rauf.

Die Wilden Hühner und das Glück der Erde

Die Wilden Hühner und das Glück der Erde
 

Die Sonne schien Sprotte ins Gesicht, als sie aus der Schultür trat. Es war ein wunderschöner Herbsttag. Der große Pausenhof war rot und gelb vom Laub und die Luft schmeckte so warm, als klebe der Sommer noch an den Häusern. Aber Sprotte stapfte mit so finsterer Miene zu ihrem Rad, dass zwei Erstklässler ihr erschrocken aus dem Weg gingen. Son-ne! Bunte Blätter!, dachte sie verächtlich, während sie den Rucksack unter ihren Gepäckträger klemmte. Ich will Regen, kübelweise Regen und grauen Himmel. Zu so einem Unglückstag passt kein schönes Wetter. »Bis morgen!«, rief ihr irgendjemand zu, aber sie hob nicht einmal den Kopf. Wortlos stieg sie auf ihr Rad und machte sich auf den Heimweg.
»Fünf minus!«, murmelte sie, als sie ihr Rad in den Hausflur schob. »Das ist immerhin eine Verbesserung zum letzten Mal. Obwohl sich Sechs plus netter anhörte.« Müde schloss sie die Wohnungstür auf und hängte ihre Jacke an die Garderobe.
»Na endlich!«, rief ihre Mutter aus der Küche. »Hier wartet ein wunderbares Festmahl auf dich und du brauchst eine halbe Ewigkeit für deinen Schulweg. Was war denn los?«
»Ach, gar nichts!«, antwortete Sprotte. Was sollte sie auch sonst sagen? Mit einer Fünf hat man es nicht besonders eilig, nach Hause zu kommen. Nein. Ihre Mutter wusste nichts von der Sechs plus, und von der Fünf minus würde Sprotte ihr auch nichts sagen. Denn sonst war es vorbei mit den Treffen der Wilden Hühner, mit den gemütlichen Nachmittagen in ihrem Bandenquartier und all dem, was im Leben Spaß machte. Stattdessen würde Sprotte sich wieder mit diesem muffigen Englisch-Nachhilfelehrer herumstreiten müssen. Nein, noch bestand kein Grund zur Panik, überhaupt nicht. Das waren Ausrutscher, nichts als zwei Ausrutscher. Wenn sie sich das nur oft genug sagte, würde sie es schon irgendwann glauben.
Bevor Sprotte in die Küche ging, blieb sie noch schnell vorm Spiegel stehen und zwang ein Lächeln auf ihr Gesicht. Sehr überzeugend fiel es nicht aus, aber ihrer Mutter schien das nicht aufzufallen.
»Ich glaube, ich stell alles noch mal in den Backofen«, sagte sie, als Sprotte sich zu ihr an den Tisch setzte. »Oder magst du kaltes Moussaka?«
»Kein Problem«, murmelte Sprotte und musterte ungläubig die Köstlichkeiten auf ihrem Teller. »Du hast Essen beim Griechen bestellt? Mitten in der Woche?«
»Ja, wieso nicht? Ich glaube, wir leben seit fast einer Woche nur von Pommes frites und Tiefkühlerbsen.« Ihre Mutter zupfte verlegen an der Tischdecke. Tatsächlich, auf dem Küchentisch lag eine Tischdecke. Sprotte hatte nicht mal gewusst, dass sie so etwas besaßen. Beunruhigt runzelte sie die Stirn.
»Mam, was ist los?«, fragte sie.
Ihrer Mutter verrutschte das Lächeln.
»Was soll los sein? Ich dachte, wir machen es uns mal wieder so richtig nett. Weil ich die ganze Woche so wenig Zeit hatte.«
Sprotte stocherte in ihrem Moussaka herum. Sie glaubte kein Wort.
Viel Zeit hatten sie doch nie füreinander gehabt. Seit Sprotte denken konnte, arbeitete ihre Mutter als Taxifahrerin. Um Geld zu verdienen, denn Sprottes Vater hatte sich davongemacht, als Sprotte gerade sechs Monate
alt war. Trotzdem hatten sie es immer nett miteinander gehabt, sehr nett sogar. Aber dann war der Klugscheißer aufgetaucht. Kaum ein halbes Jahr war das nun her, und seitdem war alles anders.
Früher war Sprotte jeden Sonntag zu ihrer Mutter ins Bett gekrochen. Sie hatten zusammen gefrühstückt, den Fernseher ans Bett gestellt und sich alte Filme angesehen. Aber seit dieser Kerl sich unter der Decke breit gemacht hatte, mied Sprotte das Schlafzimmer ihrer Mutter, als hausten Klapperschlangen darin.
»Willst du ein paar Weinblätter?«
Sprotte schüttelte den Kopf und ließ ihre Mutter nicht aus den Augen. Sie wich Sprottes Blick aus und wurde auf der Stelle knallrot. Na bitte.
»Mam, was ist los?«, fragte Sprotte noch einmal. »Du willst mir doch irgendwas Unangenehmes beibringen. Hast du Oma etwa wieder versprochen, dass ich ihr im Garten helfe? Ich hab keine Zeit! Wir haben höllenviel Schularbeiten auf!«
»Ach was, mit Oma hat das gar nichts zu tun!«, antwortete ihre Mutter. »Iss, sonst ist wirklich alles kalt.« Aber sie selbst aß auch nicht, sondern stocherte nur abwesend in ihrem Salat herum.
Oma Slättberg, Sprottes Großmutter mütterlicherseits, war nicht gerade das, was man sich unter einer netten Oma vorstellt. Aber wenn Sprottes Mutter Taxi fuhr, dann blieb Sprotte nichts anderes übrig, als bei ihrer Großmutter zu bleiben. Auch wenn sie sich da so manchen Nachmittag im Gemüsegarten den Rücken krumm arbeiten musste. Obwohl sie viel lieber mit dem Hund ihrer Oma spazieren gegangen wäre. Noch letztes Jahr hatte Sprotte fünfzehn Hennen vor dem Schlachtbeil gerettet. Aber das ist eine andere Geschichte.
Warum gab es mitten in der Woche Essen vom Griechen?
Sprotte holte tief Luft. »Mam, sag bloß nicht, der Klugscheißer will hier einziehen!«
»Unsinn.« Ihre Mutter legte verärgert die Gabel hin. »Und hör endlich auf, ihn Klugscheißer zu nennen.«
»Wenn er aber nun mal einer ist!«
»Bloß, weil er es gewagt hat, dir zu sagen, dass Margarine mit zwei a geschrieben wird?«
»Wer Einkaufszettel nach Rechtschreibfehlern durchsieht, ist ein Klugscheißer!« Sprottes Stimme war laut geworden, und ihrer Mutter standen die Tränen in den Augen.
»Er ist immer noch hundertmal besser als die Kerle, die deine Freundinnen mir auf den Hals geschickt haben!«, schniefte sie. Schon fast ein Jahr war es her, dass die Wilden Hühner auf die Idee gekommen waren, eine Kontaktanzeige für Sprottes Mutter aufzugeben, aber sie trug es ihnen immer noch nach. Prustend putzte sie sich die Nase.
»Deine Wimperntusche ist verschmiert!«, murmelte Sprotte. »Okay, ich nenn ihn nicht mehr >Klugscheißer<. Hühnerehrenwort. Aber dann erzählst du mir jetzt endlich, was der Grund für dieses ...«, sie stopfte sich eine Gabel kaltes Moussaka in den Mund, »... Festmahl ist. Abgesehen davon, dass du nicht kochen kannst.«
Ihre Mutter nahm die Serviette, die neben ihrem Teller lag, und tupfte damit an ihren verschmierten Augen herum. »Ich brauch Urlaub«, murmelte sie, ohne Sprotte anzusehen. »Seit mindestens drei Jahren bin ich jetzt schon nicht mehr weggefahren. Aus der Amerikareise im Frühling ist nichts geworden und im Sommer wolltest du nicht von deinen Freun-d
innen weg. Aber jetzt kriegst du bald Herbstferien und ...«, sie stockte, »na ja, da dachten wir, wir könnten einfach ein paar Tage an die Ostsee fahren.«
Sprotte runzelte die Stirn. »Wir? Was für ein >wir< meinst du? Wir und der ...«, sie schluckte das Wort noch gerade rechtzeitig hinunter. »Wir und dein, dein Schnuckiputz? Oder wie du ihn sonst nennst.«
Sprottes Mutter betrachtete das Tischtuch. Ihre Gabel. Ihre Fingernägel. Nur Sprotte sah sie nicht an. »Ich und Thorben dachten...«, begann sie, brach ab und spielte schon wieder mit der Gabel herum. »Wir dachten, wir würden gern mal ... ach, verdammt!« Sie warf die Gabel so heftig auf den Teller, dass sie im Zaziki liegen blieb. »Mein Gott, ich benehme mich, als müsste ich dir ein Verbrechen gestehen!«, rief sie. »Dabei ist doch wirklich nichts dabei.«
»Wobei?« Sprotte wusste, dass die Antwort furchtbar sein würde. Sie wusste es einfach. Keinen Bissen bekam sie mehr herunter.
»Wir würden gern allein wegfahren!«, sagte ihre Mutter und guckte zur Decke hinauf, als würde sie gerade der Lampe dort oben das Herz brechen und nicht ihrer völlig fassungslosen Tochter. »Ganz allein. Ohne Kinder.«
Da war es heraus.
Sprotte spürte, wie ihre Mundwinkel zu zucken begannen. So war das also. »Wir« hieß jetzt nicht mehr: Mam und Sprotte. »Wir« hieß jetzt: Mam und der Klugscheißer. Weiße, heiße Wut stieg in ihr auf, machte sich breit, bis Sprotte sie in jedem Zeh und jedem Finger spürte. Sie umklammerte das Tischtuch, das alberne geblümte Tischtuch, und hätte es am liebsten heruntergerissen, damit all das verlogene Wir-wollen-es-uns-nett-machen-Essen auf dem Fußboden landete.
Sprotte spürte, wie ihre Mutter sie besorgt beobachtete. »Ohne Kinder? Was für Kinder habt ihr denn noch am Hals außer mir? Gibt es noch was, was ich wissen sollte?«
»Charlotte, hör auf!« Ihre Mutter wurde so blass wie die Servietten, die sie neben die Teller gelegt hatte. Servietten, so etwas benutzten sie sonst auch nie. Sprotte hielt immer noch das Tischtuch fest. »Für dich habe ich mir natürlich auch etwas überlegt!«, hörte sie ihre Mutter sagen. Sprottes Kopf fühlte sich so leer an. Und ihr Herz sowieso.
»Eine Freundin von mir hat einen Reiterhof, du kennst sie nicht, ich bin mit ihr zur Schule gegangen ...« Ihre Mutter sprach so schnell, dass sie sich fast in ihren eigenen Worten verhaspelte. »Sie hat den Hof schon ein paar Jahre, ich hab's nie geschafft, sie mal dort zu besuchen, du weißt ja, ich habe Angst vor Pferden. Aber es soll dort wirklich sehr schön sein. Also, ich habe sie angerufen und sie hat in den Herbstferien noch Plätze frei und es ist auch gar nicht so teuer. Deshalb ...«, Sprotte hörte, wie sie tief Luft holte, »habe ich dich für die erste Ferienwoche gleich angemeldet.«
Sprotte biss sich auf die Lippen. Ein Reiterhof. Ich mag keine Pferde, wollte sie sagen. Das weißt du ganz genau. Dieser Reitkram ist was für Zicken. Aber sie brachte kein Wort heraus. In ihrem Kopf war nur ein einziges Wort zu finden. Verräterin. Verräterin, Verräterin, Verräterin.
Es klingelte an der Tür.
Sprottes Mutter zuckte zusammen, als hätte jemand durchs Fenster geschossen.
»Soll ich mal raten
, wer das ist?«, fragte Sprotte. Plötzlich waren wieder Worte da. Aber es war kein freundliches darunter, nicht ein einziges. Sie schob ihren Stuhl zurück und ging in den Flur.
»Du hättest wenigstens mal sagen können, dass du es verstehst!«, rief ihre Mutter ihr nach. »Ein paar Tage, du meine Güte, das ist doch nicht zu viel verlangt.«
Sprotte drückte auf die Klingel und öffnete die Haustür. Sie hörte, wie der Klugscheißer die Treppen heraufsprang, als wollte er einen Rekord aufstellen. Sprotte zog sich ihre Jacke an.
»Ich kann ja verstehen, dass du beleidigt bist!«, rief ihre Mutter aus der Küche. »Aber andere Mädchen würden sich darum reißen, auf einen Reiterhof zu fahren ...«
Sprotte steckte ihren Hausschlüssel ein. Sie hörte den Klugscheißer schwer atmend die letzten Stufen hinter sich bringen.
»Hallo, Sprotte«, sagte er und steckte den Kopf durch die Tür.
Sprotte schob sich an ihm vorbei. »Für dich >Charlotte<«, sagte sie. »Kannst du dir das vielleicht endlich mal merken?«
»Na, die hat ja wieder eine Laune!«, hörte sie ihn sagen. Dann zog er die Haustür hinter sich zu. Sprotte sprang die Stufen hinunter, viel schneller als er. Und obwohl sie kaum atmen konnte vor Wut.
»Sprotte!«, rief ihre Mutter ihr nach. Mit unglücklichem Gesicht beugte sie sich über das Geländer. Sie hasste es, durchs Treppenhaus zu schreien. »Wo willst du hin?«
»Weg!«, antwortete Sprotte. Schob ihr Rad wieder auf die Straße und knallte die Haustür hinter sich zu.

Die Wilden Hühner und die Liebe

Die Wilden Hühner und die Liebe
 

Sprottes Mutter fuhr zu schnell. Eine rote Ampel hatte sie schon überfahren, und die, auf die sie jetzt zufuhr, stand auch schon eine gefährlich lange Weile auf Gelb.
"Das schaffst du nicht!", sagte Sprotte. Draußen schlenderten die Leute im T-Shirt an den Schaufenstern vorbei und der Himmel über den Häusern war so blau, als hätte ihn jemand frisch angestrichen. Dieser Tag war höchstens zum Eis essen gemacht, aber bestimmt nicht, um irgend ein verdammtes ...
"Natürlich schaff ich das." Ihre Mutter gab noch einmal Gas, aber sie schaffte es nicht - und musste so scharf bremsen, dass Sprotte der Gurt in die Schulter schnitt.
"Mam! Willst du deinen Führerschein loswerden? Du kommst sowieso zu spät."
Ihre Mutter sah in den Rückspiegel und leckte sich etwas Lippenstift von den Vorderzähnen. "Ach ja? Und wer ist schuld, dass wir so spät dran sind? Wer musste unbedingt noch schnell mit sämtlichen Freundinnen telefonieren und eine halbe Stunde nach einer zerschlissenen Tigerhose suchen, mit der kein normaler Mensch mehr auf die Straße gehen würde?"
Sprotte strich über ihre Hose, die wirklich schon bessere Tage gesehen hatte, und sah aus dem Wagenfenster. Das Taxi roch nach kaltem Rauch und fremden Leuten. "Ich hab eben keine Lust, mir Brautkleider anzugucken. Und früher hast du von so was auch nichts gehalten. Bevor ..." Sie sprach den Satz nicht zu Ende: Bevor der Klugscheißer aufgetaucht ist, bevor das Gerede mit dem Heiraten losging, als auf unserem Klo noch keiner Autozeitschriften las und ich noch das große Zimmer hatte. Sprotte musste das alles nicht aussprechen. Ihre Mutter wusste sowieso, was ihr im Kopf herumging, und das schlechte Gewissen, das sie deswegen hatte, verbesserte ihre Laune auch nicht. Sie warf einen grimmigen Blick in den Rückspiegel und zupfte sich die Haare aus der Stirn.
"Entschuldige, dass ich meine Meinung geändert habe! So was würde dir natürlich nie passieren! Mein Gott, ich wollte eben, dass du dabei bist! Dass du mir beim Aussuchen hilfst! Du sagst mir doch sonst auch immer, was ich anziehen soll."
Die Ampel sprang auf Grün und der Fahrer hinter ihnen, ein kleiner kahlköpfiger Kerl, der kaum über sein Steuer gucken konnte, hupte, als Sprottes Mutter nicht sofort losfuhr.
"Ja, ja, ich fahr ja schon. Sieh dir diesen Giftzwerg an. Überall sind sie, alles Giftzwerge."
Ihre Mutter wechselte so abrupt die Fahrbahn, dass ihr der Kahlkopf den nackten Finger zeigte, aber sie bemerkte es nicht mal. Seit Tagen war sie nun schon so - seit sie und der Klugscheißer den Hochzeitstermin festgelegt hatten.
"Ich versteh's immer noch nicht." Sprotte hatte sich geschworen, nicht wieder damit anzufangen, aber sie konnte es einfach nicht lassen. "Warum musst du ihn heiraten? Es reicht doch schon, dass er jeden zweiten Tag - " Sie biss sich auf die Lippen. Schluss.
Ihre Mutter umklammerte das Lenkrad so fest, dass ihre Knöchel ganz weiß waren. Als ob Sprotte nicht genau wusste, dass der Klugscheißer auf die Idee gekommen war. Er war ganz verrückt aufs Heiraten und alles, was dazu gehörte, und deshalb mussten sie sich an diese
m wunderbaren frühlingswarmen himmelblauen Nachmittag Brautkleider ansehen. Dabei hatte Sprottes Mutter höchstens fünfmal in ihrem Leben einen Rock getragen, von einem Kleid ganz zu schweigen.
"Er sagt, er möchte mich einfach gern in so einem Ding sehen", murmelte sie. "Er sagt, ich werde wunderbar darin aussehen."
Sprotte konnte sich vorstellen, wie er dreingeblickt hatte, als er das gesagt hatte. Wenn der Klugscheißer romantisch wurde, bekam er diesen unglaublich lächerlichen Gesichtsausdruck - als schmelze sein Gesicht vor Rührung wie ein Stück Butter in der Sonne. Mit dem Gesichtsausdruck konnte er Sprottes Mutter zu allem überreden, sogar zu einer weißen Hochzeit mit allem Drum und Dran, wie er es gern ausdrückte.
Seit fast einem Jahr war sie nun schon mit ihm zusammen. Noch nie hatte sich ein Mann so dauerhaft bei ihnen eingenistet. Seine Autozeitschriften lagen neben dem Klo, seine Haare hingen in der Bürste und beim Frühstück aß er Sprotte die Nutella weg.Ganz eingezogen war er noch nicht bei ihnen. Zwei, drei Tage die Woche schlief er noch in seiner eigenen Wohnung, falls man das eine Wohnung nennen konnte, direkt über seiner Fahrschule, aber nach der Hochzeit würde sich das natürlich auch ändern. In Vorbereitung auf diesen großen Tag hatte Sprotte ihr Zimmer räumen müssen, weil das Ehebett, dass der Klugscheißer ausgesucht hatte, nicht in das Zimmer passte, in dem ihre Mutter bisher geschlafen hatte.
Sprotte stemmte die Füße gegen das Armaturenbrett. Da war der Laden. Er war nicht allzu groß. Im Schaufenster standen zwei brautkleidweiße Puppen, die mit leerem Lächeln in den Frühling hinausblickten, und vor der Tür wartete schon der Klugscheißer. Er sah gerade auf die Uhr, als sie an ihm vorbeifuhren.
"Ich werd zu spät kommen!", sagte Sprotte, als ihre Mutter am Straßenrand einparkte. Das kam auch noch dazu. Um fünf Uhr war sie mit Fred verabredet. Sie wollten ins Kino gehen, zusammen mit Frieda. "Wehe, du kommst wieder zu spät!", hatte Fred ihr heute Morgen in der Schule gedroht. "Dann geh ich mit Frieda allein ins Kino und wir setzen uns in die hinterste Knutsch-Reihe." Sprotte hatte ihn dafür gekniffen und gelacht. Schließlich war es albern, eifersüchtig auf die beste Freundin zu sein. Aber manchmal ist man albern, auch wenn man es nicht will. Und Fred und Frieda trafen sich zur Zeit ziemlich häufig, weil Fred Mathe-Nachhilfe brauchte und Melanie Frieda dafür vorgeschlagen hatte. Heute war so ein Nachhilfetag - und Sprotte wollte wirklich nicht zu spät ins Kino kommen. Nicht wegen ein paar dämlicher weißer Kleider.
Der Klugscheißer trug natürlich wieder einen seiner grässlichen Musterpullover (SPPs nannte Fred sie: Sportreporterpullover), und wahrscheinlich stand er sich schon eine ganze Weile vor dem Laden die Beine in den Bauch, denn er war immer pünktlich, das heißt, eigentlich war er immer zu früh, mindestens eine Viertelstunde.
Er schien genauso nervös zu sein wie Sprottes Mutter. Ständig fuhr er sich mit der Hand durchs Haar, es stand schon in alle Richtungen. "Na endlich!", rief er ihnen entgegen. "Ich dachte schon, ihr kommt nicht."
"Du meine Güte, ich hoffe, diese Minutenzeterei gibt sich noch!",
flüsterte Sprottes Mutter ihr zu, während sie auf ihn zugingen. "Vielleicht sollte ich ihm die Uhr verstellen, damit er auch mal zu spät kommt. Was hältst du von der Idee?"
Sprotte verkniff sich ein Kichern. Auf dieselbe Idee war sie auch schon gekommen.
"Was grinst ihr so?" Der Klugscheißer musterte sie misstrauisch, als sie neben ihm standen. "Habt ihr zwei wieder über mich gelästert?"
"Nein, kein Wort, kein Sterbenswörtchen!", antwortete Sprottes Mutter und gab ihm einen Kuss.

Sprotte hasste es, einzukaufen. Es langweilte sie zu Tode, von Geschäft zu Geschäft zu gehen und in irgendwelchen Umkleidekabinen in schlecht sitzende Hosen zu steigen. Manchmal nahm Frieda sie mit, oder Melanie, wenn die zwei der Meinung waren, dass ihr Oberhuhn mehr als eine zerschlissene Tigerhose und eine Reithose mit Beulenknien besitzen sollte. Melanie versuchte immer wieder, Sprotte auf den Geschmack zu bringen. Für sie gab es nichts Schöneres auf der Welt als Hunderte von Kleiderständern nach einem einzigen T-Shirt zu durchforsten, aber Sprotte würde so etwas immer für Zeitverschwendung halten.
Besonders furchtbar fühlte sie sich in Geschäften, in denen man nach seinen Wünschen gefragt wurde, kaum dass man durch die Tür kam. Dieser Laden hier war eindeutig einer von dieser Sorte. Die Luft hinter der schweren Tür roch noch süßlicher als das Parfüm, mit dem Melanie sich einnebelte, wenn sie mit einem Jungen verabredet war. Sie waren die einzigen Kunden und die Verkäuferin hatte offenbar schon auf sie gewartet. Sprotte setzte sich auf einen der rotgepolsterten Stühle, die mit dem Rücken zum Schaufenster standen und musterte die brautverkleideten Puppen, während die Verkäuferin ihre Mutter und den Klugscheißer durch den Laden führte.
Sprotte seufzte. Melanie würde keine Ruhe geben, bevor sie ihr jede einzelne Rüsche beschrieben hatte. Gelangweilt beugte sie sich über die Stuhllehne und strich mit den Fingern über das Kleid, das die blonde Schaufensterpuppe trug. Wie steif der Stoff sich anfühlte. Sprotte konnte Melanies Stimme förmlich hören: Wie lang war der Rock, Sprotte? Wie tief war der Ausschnitt? Nun sag schon. Die anderen Wilden Hühner würden nicht halb so interessiert sein, im Gegenteil - Wilma würde lästern, Frieda würde abwesend vor sich hinblicken und wahrscheinlich an Maik, ihren Freund denken, und Trude, ja, Trude würde vermutlich diesen verklärten Gesichtsausdruck bekommen und etwas wie "ach, wie romantisch" hauchen.
"Sprotte!"
Sprotte fuhr aus ihren Gedanken hoch. Ihre Mutter stand vor ihr, in einem schneeweißen Irgendwas mit Rüschen und Stoffrosen an den Ärmeln, während die Verkäuferin mit einem eingefrorenen Lächeln auf dem Gesicht um sie herumhuschte und das Kleid zurechtzupfte. Sprotte kam sie vor wie eine der Hennen, die bei dem Wohnwagen, der den Wilden Hühnern als Bandenquartier diente, in ihrem maschendrahtumzäunten Auslauf herumpickten. Wenn man ihnen Löwenzahn zuwarf, rannten sie einem genau so hektisch um die Beine, wie diese Verkäuferin es bei Sprottes Mutter tat.
"Also, mir gefällt es!" Der Klugscheißer ließ sich auf den Stuhl neben Sprotte fallen. Er blickte ihre Mutter mit so verklärter Miene an, als
wünschte er sich, sie würde dieses alberne weiße Kleid nie wieder ausziehen.
"Ja, wirklich!", sagte er mit Nachdruck. "Du siehst wunderschön aus, Sybille, atemberaubend. Stimmt's?" Er stieß Sprotte den Ellbogen in die Seite. Die Verkäuferin zupfte eine letzte Falte zurecht und trat dann zurück. Sie lächelte so selbstzufrieden, als gäbe es keine wichtigere Aufgabe auf der Welt als Frauen in Brautkleider zu stecken.
"Also, ich weiß nicht", murmelte Sprotte. Die Verkäuferin bedachte sie für ihre mangelnde Begeisterung mit einem eisgekühlten Blick, aber so etwas konnte Sprotte nicht erschüttern. "Nee!", fügte sie ungerührt hinzu. "Du siehst irgendwie nicht aus wie du selbst in dem Ding."
"Nun, das ist unter anderem der Zweck eines Brautkleides, mein Kind!", stellte die Verkäuferin mit spitzen Lippen fest. Die Farbe ihres Lippenstiftes passte genau zur Farbe ihrer Fingernägel. "Es verzaubert seine Trägerin und lässt sie strahlen wie an keinem anderen Tag ihres Lebens."
Sprottes Mutter blickte unbehaglich an sich herunter.
"Ich finde nicht, dass sie strahlt", sagte Sprotte. "Ich finde, du siehst aus wie eine Puppe, Mam."
Die Verkäuferin hatte Mühe, ihr Lächeln zu bewahren. Es hielt sich gerade noch in einem Mundwinkel. Sprottes Mutter runzelte die Stirn, trat vor den nächsten Spiegel und musterte sich. "Ja, das finde ich ehrlich gesagt auch", stellte sie schließlich mit einem Seufzer fest. "Probieren wir ein anderes."
Sie probierte noch sieben weitere Kleider und nicht bei einem waren sie und der Klugscheißer gleicher Meinung: Mal mochte Sprottes Mutter das Kleid, dann gefiel es ihm nicht, mal liebte er es, dann runzelte sie nur die Stirn und schüttelte den Kopf. Mit jedem abgelehnten Kleid verrutschte der Verkäuferin das geübte Lächeln etwas mehr, und als eine neue Kundin im Laden erschien, übergab sie die schwierige Kundschaft erleichtert an eine Kollegin. Es wurde später - später und später. Und Fred war mit Frieda bestimmt schon auf dem Weg zum Kino.
Als die zweite Verkäuferin auf die Idee kam, dass die Tochter der zukünftigen Braut doch vielleicht schon einmal ein paar wunderhübsche Kleider für Brautjungfern anprobieren könnte, hielt es Sprotte nicht mehr auf dem rotgepolsterten Stuhl.
"Mam, ich muss los!", stieß sie hervor, ohne den flehenden Blick ihrer Mutter zu beachten. "Fred wartet schon mindestens eine Viertelstunde." Dann stolperte sie aus dem Laden.
Auf der Straße holte sie erst mal tief Atem. Sie glaubte die parfümierte Luft aus dem Laden noch auf der Zunge zu schmecken. Durch das Schaufenster erhaschte sie einen letzten Blick auf ihre Mutter. Mit unglücklichem Gesicht musterte sie die Puffärmel, in die sie ihre Arme gerade schob, während der Klugscheißer auf sie einredete.
Niemals!, dachte Sprotte, während sie sich im Laufschritt auf den Weg zum Kino machte. Niemals steckt mich irgendwer in so ein Kleid. Wenn ich je heirate -, und schon der Gedanke verursachte ihr Kopfschmerzen, dann in meiner Reithose. Da fühl ich mich wenigstens nicht wie verkleidet.




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